Du hast Unsicherheiten in Bezug auf deinen Körper? Ich denke wir alle kennen das. Vor allem mit der Diagnose Lipödem ist die eigene Beziehung zum Körper oft negativ geprägt. Nicht zuletzt durch häufige negative Erfahrungen mit dem sozialen Umfeld oder zahlreiche gescheiterte Versuche abzunehmen.
Hast du schonmal bewusst darauf geachtet, wie du über dich selbst und deinen Körper sprichst? Oft reden wir uns ganz unbewusst negative Dinge über uns selbst ein und merken nicht, wie sie dadurch schleichend zu unserer eigenen inneren Überzeugung werden. Die gute Nachricht ist: genauso wie du in dir selbst negative Überzeugungen verankern kannst, so kannst du das auch mit positiven Überzeugungen tun. Und diese Überzeugungen nennt man positive Affirmationen.
Was das ist, wie du die richtigen Affirmationen für dich findest und wie du sie im Alltag nutzen kannst erzähle ich dir in diesem Blogartikel.
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Inhalt
Was sind Affirmationen und was bringen Affirmationen?
Affirmationen sind positive Aussagen über dich selbst, welche du dir immer wieder entweder in Gedanken oder laut vor dem Spiegel vorsagst. Damit möchten wir den meist negativen Glaubenssätzen von uns entgegenwirken und in eine positive Richtung lenken (Glaubenssätze = Annahmen und Überzeugungen, die wir über uns selbst, unsere Mitmenschen und die Welt haben). Wenn du deine positiven Affirmationen regelmäßig wiederholst, kannst du so Stück für Stück deine negativen Denkmuster durchbrechen und eine positive Grundhaltung gegenüber dir selbst und deinem Körper erreichen. Dadurch stärkst du wiederum dein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.
Das, was du über dich selbst denkst, beeinflusst dein Denken und Handeln ebenso wie deinen Umgang mit dir selbst und deinem Umfeld. Deine Gedanken haben also eine starke Kraft und Auswirkung auf deinen Alltag. Warum solltest du dir das nicht zu nutzen machen und dein Selbstwertgefühl positiv beeinflussen? Du hast nichts zu verlieren. Viel zu oft denken wir ohnehin ganz automatisch negativ von uns. Halte am besten mal kurz inne und überlege dir ganz spontan, was du über dich selbst und deinen Körper denkst.
Und? Wie viele positive Dinge sind dir eingefallen? Und wie viele Negative? Ich kenne es von mir selbst. Die negativen Dinge fallen uns meist viel einfacher und über die positiven müssen wir viel zu lange nachdenken. Ist das nicht super schade? Genau dem wollen wir mit positiven Affirmationen entgegenwirken.
Wie kann ich Affirmationen im Alltag nutzen?
Einmal aufgeschrieben und dann in einer Schublade verstaut, bringen dir deine positiven Affirmationen aber leider recht wenig. Ich habe daher drei Ideen für dich, wie du deine positiven Affirmationen in deinem Alltag für dich nutzen und nicht mehr aus den Augen verlieren kannst.
Etabliere eine feste Routine
Menschen sind Gewohnheitstiere. Damit erzähle ich dir mit Sicherheit jetzt nichts Neues. Aber genau deswegen ist es hilfreich, neue Dinge durch feste Routinen in deinen Alltag zu etablieren. Überlege dir daher, zu welchem Zeitpunkt du deine positiven Affirmationen am besten in deinen Tagesablauf integrieren kannst. Sage dir deine Affirmationen beispielsweise in Gedanken während dem Zähneputzen morgens oder laut im Auto auf, während du zur Arbeit fährst. Alternativ kannst du dir natürlich auch täglich einen Wecker stellen, um zu einer festen Uhrzeit daran erinnert zu werden.
Hänge dir sie gut sichtbar in deiner Wohnung auf
Um immer wieder an deine positiven Affirmationen erinnert zu werden, bietet es sich auch an, sie auf einem schönen Papier aufzuschreiben oder zu gestalten und dann gut sichtbar in deiner Wohnung aufzuhängen. Jedes Mal, wenn du dann auf dieses Papier schaust, kannst du einen Moment innehalten und diese aufsagen. Orte, die sich hierfür beispielsweise anbieten, sind neben dem Bett, dem Kühlschrank, dem Schreibtisch oder am Waschbecken im Bad. Möchtest du deine Affirmationen lieber nicht offen in deiner Wohnung aushängen, dann kannst du sie zum Beispiel auch als Handyhintergrund einrichten oder als Lesezeichen in deinem Buch oder Kalender. Du hast hier super viele Möglichkeiten, wichtig ist nur, dich zu entscheiden.
Wende sie bei Bedarf an
Neben dem am besten täglichen Aufsagen deiner Affirmationen kannst du diese natürlich auch immer nach Bedarf anwenden. Nutze sie also gerne, wenn es dir beispielsweise nicht gut geht, du gerade viel an dir zweifelst oder dich einsam fühlst. Deine positiven Affirmationen sind dafür da, dich zu stärken und dich zu unterstützen.
Wie finde ich die richtigen Affirmationen für mich?
Das wichtigste zuerst: es gibt nicht DIE richtigen Affirmationen für dich. Affirmationen sind wandelbar, anpassbar und verändern sich über die Zeit. Du musst dich nicht einmal festlegen. Also versuche dir nicht zu viel Druck zu machen. Deine Affirmationen wachsen mit dir.
Ein guter Anhaltspunkt ist es, dir deine negativen Glaubenssätze zu überlegen. Hast du dir diese einmal aufgeschrieben, kannst du dir überlegen, wie du diese nun positiv umformulieren kannst (bspw. „ich bin nicht genug“ in „ich bin genug“). Deine Affirmationen sollten zu dir und deiner Lebenssituation passen sowie authentisch und realistisch sein.
Um deine Affirmationen jetzt abschließend zu formulieren, solltest du folgende Dinge beachten:
Formuliere aus der Ich-Perspektive
formuliere in der Gegenwartsform
formuliere kurz, klar und konkret
verwende, wenn möglich keine Verneinung wie „nicht“ (unser Gehirn überliest dies schnell und dann hat der Satz plötzlich die falsche Bedeutung)
formuliere realistische Aussagen über dich selbst, die du dir auch selbst glauben kannst (Zustände, die du nicht glauben kannst, dir momentan als unmöglich erscheinen, solltest du hier nicht wählen)
schwäche die Formulierung bei Bedarf ab (falls du die Aussage „ich liebe meinen Körper wie er ist“ momentan noch nicht annehmen kannst, dann formuliere sie bspw. vorerst so „ich akzeptiere meinen Körper wie er ist“)
arbeite zeitgleich immer nur mit maximal 5 Affirmationen
10 Affirmationen für Lipödem Betroffene
Zum Abschluss habe ich noch 10 beispielhafte Affirmationen für dich. Beachte aber, dass sie nur als Beispiel dienen sollen und du deine Affirmationen noch individuell auf dich und deine Lebenssituation anpassen solltest.
Ich darf Fehler machen.
Ich kümmere mich gut um mich selbst und meinen Körper.
Ich darf mir Zeit für mich nehmen.
Ich darf eigene Entscheidungen treffen.
Ich lerne mich und meinen Körper zu akzeptieren.
Ich bin stark und finde meinen Weg mit der Diagnose Lipödem umzugehen.
Ich achte auf mich und meinen Körper und setze kleine, gesunde Gewohnheiten um.
Ich stehe für mich und meine Bedürfnisse ein.
Ich nehme meine Kompression als Unterstützung an.
Ich bin stolz, auf alles, was ich jeden Tag schaffe.
Abschließend ist mir noch wichtig zu sagen: mach dich nicht verrückt und setze dich nicht unter Druck. Wenn du mal nicht an deine Affirmationen denkst, ist das nicht schlimm. Mach einfach am nächsten Tag weiter. Am Anfang fühlt es sich vielleicht auch etwas ungewohnt für dich an, dir deine Affirmationen laut vorzusagen. Auch das ist völlig normal und wird mit der Zeit besser. Bleib dran und sei geduldig mit dir 💛
Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel ein Stückchen weiterhelfen. Schreib mir gerne einen Kommentar, falls du noch Fragen oder Anregungen hast. Wichtig: Affirmationen sind kein Allheilmittel. Zusätzlich ist es immer wichtig, dass du dir bewusst Zeit nimmst und deine inneren Themen aufarbeitest. Wann immer du dich bereit fühlst, findest du hier die aktuellen Möglichkeiten meine Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind. Die Ursachen für die Entstehung eines Lipödems sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend erforscht. Es wird vermutet, dass es sowohl durch Vererbung als auch durch eine Hormonveränderung im Körper ausgelöst werden kann. Betroffene Frauen leiden darunter, dass es im Laufe der Erkrankung zu einer unkontrollierten Vermehrung des Unterhauptfettgewebes kommt.
Dabei sind hauptsächlich die Beine und teilweise auch die Arme betroffen, weshalb es oft zu einem proportionalen Ungleichgewicht zwischen Ober- und Unterkörper kommt. Durch die symmetrische Verteilung lässt sich die Diagnose Lipödem klar von einem Lymphödem abgrenzen. Außerdem sind sowohl die Hände als auch die Füße nicht betroffen, wodurch es in höheren Stadien zu einer sogenannten Kragenbildung kommt. Weitere Symptome habe ich weiter unten im Artikel aufgelistet.
Das Lipödem wird momentan in drei Stadien unterteilt, welche sich ausschließlich an den sichtbaren körperlichen Veränderungen orientieren. Durch ein Fortschreiten der Krankheit kommt es zu einer Zunahme des Umfangs an Beinen und Armen sowie eine Veränderung der Hautoberfläche. Schlanke bzw. normal gewichtige Frauen können also ebenso von der Diagnose Lipödem betroffen sein wie übergewichtige Frauen. Diese Einteilung beachtet allerdings nicht das Schmerzempfinden der Betroffenen, denn auch im ersten Stadium können bereits starke Schmerzen auftreten. Ebenso gibt es Betroffene im Stadium 3, die keine Schmerzen beschreiben. Aus diesem Grund wird die Einteilung der Stadien momentan überarbeitet.
Inhalt
Woher weiß ich, ob ich ein Lipödem habe?
Typische Symptome bei Lipödem:
Symmetrische vermehrte Fettansammlung in Beinen (und Armen)
dadurch entsteht ein proportionales Ungleichgewicht zwischen Ober- und Unterkörper
Schweregefühl in den Extremitäten
Wassereinlagerungen in den Beinen (v.a. im Laufe des Tages)
Druck und Berührungsschmerz
Neigung zu blauen Flecken
knotiges Unterhautfettgewebe
betroffene Stellen sind Sport- und Diät-resistent (trotz Gewichtsreduktion gibt es keine Veränderung des Umfangs an den betroffenen Stellen)
Kragenbildung an Fuß- und Handgelenken (Fettansammlung hört abrupt auf und geht nicht auf Hände und Füße über)
Solltest du jetzt den Verdacht haben, selbst von der Diagnose Lipödem betroffen zu sein, dann wende dich bitte an einen spezialisierten Arzt. Fachärzte, die die Diagnose Lipödem stellen können, sind entweder Phlebologen oder Angiologen. Das Lipödemportal hat hier eine Liste mit Ärzten zusammengestellt, die eine Lipödem Diagnose ausstellen können.
Kann ein Lipödem wieder verschwinden?
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung und nach aktuellem Stand nicht heilbar. Die krankhaften Lipödem-Fettzellen lassen sich weder durch Sport noch Ernährung reduzieren. Was nicht heißt, dass du gar nichts tun kannst. Nicht alle Fettzellen sind Lipödem-Fettzellen. Eine oft zusätzlich auftretende Adipositas kann durch Sport und Ernährung stark verbessert werden, wodurch eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erreicht werden kann.
Die bisher bekannten Behandlungsmöglichkeiten sind zum einen die konservative Therapie und zum anderen die operative Therapie. Die konservative Therapie beinhaltet das (im besten Fall) tägliche Tragen der Kompressionsversorgung und regelmäßige Lymphdrainage. Zum aktuellen Zeitpunkt wird diese Therapie von der Krankenkasse übernommen. Du bekommst dafür pro Jahr 2 Kompressionsversorgungen und die Rezepte für 1-2 mal Lymphdrainage in der Woche.
Die operative Therapie wird dagegen bisher nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse übernommen. Du musst dafür nachweisen, dass du die konservative Therapie mindestens 6 Monate durchgezogen hast. Außerdem brauchst du die Diagnose Stadium 3 und einen BMI von unter 35. In den meisten Fällen zahlen Betroffene die Liposuktion allerdings selbst. Die Kosten belaufen sich dabei in der Regel auf 4-6 Tausend Euro pro Operation, wobei meistens mindestens 2 Operationen notwendig sind. Aktuell läuft eine Erprobungsstudie, um die nachhaltige Wirkung der Liposuktion wissenschaftlich zu untersuchen. Die Ergebnisse werden aber frühestens 2026 erscheinen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich dadurch etwas für die Kostenübernahme der Liposuktion von der Krankenkasse ändert.
Generell sollte man aber beide genannten Therapiemöglichkeiten immer ganzheitlich betrachten. Das Lipödem ist wie gesagt nicht heilbar, das bedeutet egal für welche Therapiemöglichkeit du dich entscheidest, im Alltag solltest du ein paar Dinge beachten.
Hilfreiche Tipps für den Alltag mit Lipödem
achte auf eine ausgewogene Ernährung
integriere regelmäßige Sporteinheiten in deinen Alltag
experimentiere mit verschiedenen Kleidungsstücken und -stilen
pflege deine Haut unter der Kompression, damit sie nicht austrocknet
finde deine neuen Routinen (bspw. für Lymphdrainage oder Hautpflege)
denke auch an deine psychische Gesundheit
versuche das Lipödem nicht zu ignorieren, sondern in deinen Alltag zu integrieren
setz dich nicht unter Druck
Wie bei allem gibt es hier kein Richtig oder Falsch. Lass dich nicht von den Aussagen anderer verunsichern, wenn bspw. gesagt wird Sportart XY ist nicht geeignet mit der Diagnose Lipödem. Achte auf die Signale deines Körpers und darauf, was dir Freude bereitet. Es hilft nichts, wenn du eine Sportart meidest, die dir eigentlich super viel Spaß macht oder du dich mit einer Sportart quälst, die du nicht magst. Damit ist niemandem geholfen.
Das Gleiche gilt in Bezug auf die Ernährung. Versuche eine Ernährungsform zu finden, die du auch langfristig durchhalten kannst und bei der du nicht das Gefühl hast dich dazu zwingen zu müssen. Es gibt nicht den EINEN Weg, sondern das, was zählt ist, dass du einen langfristigen gesunden Lebensstil etablieren kannst. Und das kannst du auf die verschiedensten Arten erreichen. Sei nicht zu hart zu dir.
Diagnose Lipödem: Auch die Seele kann betroffen sein
Leider wird neben den sehr belastenden körperlichen Symptomen oft die Psyche vernachlässigt. Dabei kommt es gar nicht selten vor, dass Betroffene hier mit vielen Herausforderungen konfrontiert sind. Nicht nur nach der Diagnose Lipödem, sondern oft auch schon seit der Pubertät leiden Betroffene unter der Stigmatisierung von Übergewicht in der Gesellschaft. Außerdem kämpfen viele häufig seit Jahren gegen die eigenen Selbstzweifel und Schuldgefühle, weil sie annehmen, sie seien zu faul oder undiszipliniert, um endlich richtig abzunehmen.
Die Diagnose Lipödem birgt viele psychischen Belastungsfaktoren und es ist wichtig, dass du dich mit diesen beschäftigst. Auch wenn es manchmal schmerzhaft ist oder du nicht weißt, wo du anfangen sollst. Am Ende wird es sich gelohnt haben, wenn du dich nicht nur auf die körperlichen, sondern auch auf die mentalen Herausforderungen der Diagnose Lipödem konzentrierst. Nimm deine Seele mit und sei verständnisvoll mit dir und deinem Körper. Du hast dir das Lipödem nicht ausgesucht, aber du kannst entscheiden, wie du jetzt mit ihr umgehst.
In diesem Artikel erfährst du mehr über die psychischen Herausforderungen mit der Diagnose Lipödem.
Kunsttherapie hat etwas mit Kunst zu tun, soviel ist schonmal klar. Aber welche Rolle spielen Kunstmaterialien in der Kunsttherapie, mit welchen Materialien wird überhaupt gearbeitet und was musst du zu Hause haben, wenn du online an einer kunsttherapeutischen Stunde teilnehmen möchtest. Am Ende dieses Blogartikels wirst du auf all diesen Fragen eine Antwort haben. Wenn du einfach nur auf der Suche nach Inspiration bist und wissen möchtest, mit welchen Materialien ich am liebsten arbeite dann springe gerne direkt zu Kapitel 5 „Meine liebsten Kunstmaterialien“.
Als Person, die vor kurzem oder eventuell sogar gerade erst erfahren hat, dass es sowas wie Kunsttherapie gibt, stellst du dir bestimmt ein paar Fragen. In diesem Blogbeitrag möchte ich versuchen, alle deine Fragen rund um das Thema Materialien zu beantworten. Solltest du am Ende des Beitrags noch weitere Fragen haben, kannst du sie gerne in den Kommentaren stellen und ich werde zeitnah darauf eingehen.
Inhalt
Mit welchen Kunstmaterialien wird in der Kunsttherapie gearbeitet?
Grundsätzlich gibt es hier keine genaue Liste, mit welchen Materialien immer in der Kunsttherapie gearbeitet wird. Ebenso wie jede/r Kunstterapeut/in mit verschiedenen Methoden arbeitet, wird auch jede/r unterschiedliche Materialien anbieten. Wobei in die Auswahl der Materialien neben den unterschiedlichen Materialqualitäten auch die persönlichen Präferenzen und Fahigkeiten der Kunsttherapeut/in mitreinspielen.
Dennoch lässt sich sagen, dass man in der Kunsttherapie unter künstlerischem Material in der Regel all die Materialen versteht, mit denen sich etwas gestalten lässt. Seien es nun flüssige oder feste Farben, Naturmaterialien oder Materialien zum Plastizieren (wie bspw. Ton).
Welche Rolle spielt das künstlerische Material in der Kunsttherapie?
Das künstlerische Material spielt in der Kunsttherapie eine zentrale Rolle. Die Arbeit mit und am Material ist die Grundlage und der Faktor, der die Kunsttherapie von anderen Therapieangeboten unterscheidet. Wie, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Intension das künstlerische Material in einer kunsttherapeutischen Stunde zum Einsatz kommt, möchte ich dir anhand des Aufbaus von einem Online-Workshop bei mir aufzeigen. Wobei auch hier wieder gilt: jede/r arbeitet anders, es gibt keinen allgemein gültigen Aufbau.
Der Umgang mit dem Material ist deine Erfahrungsgrundlage in der Kunsttherapie. Es erweitert die Therapeut/in – Klient/in – Beziehung um ein Drittes. Das Material in der Kunsttherapie dient als Kommunikationsmittel mit deinem inneren Erleben ud deiner Umwelt. Es ermöglicht dir den Ausdruck von dem, was sonst unsichtbar ist, nämlich deinen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen. Dadurch wird das Unsichtbare sowohl für dich als auch für Außenstehende sichtbar. Es dient also als Transformationsmittel vom Innen ins Außen.
Gleichzeitig erleichtert dir das Material den Zugang zu deinem inneren Erleben, denn es macht dich komplett unabhängig von deinen Fähigkeiten, dein Innerstes in Worte fassen zu können. Das Arbeiten am Material ist spontan und läd zum Tun ein. So können Blockaden überwunden und ein Einstieg in deine innere Welt ermöglich werden. Durch das aktive Handeln erlebst du dich als handlungsfähig. Außerdem erfordert die Arbeit mit dem Material deine volle Aufmerksamkeit und bringt dich dadruch ins Hier und Jetzt. Gleichzeitig wird die Konzentration auf deine eigene Wahrnehmung und Sinneseindrücke gefördert. Zuletzt wird dein Körper durch das haptische Erleben mit einbezogen und Gefühle noch intensiver wahrnehmbar.
Das durch das Material entstandene Werk dient als Bezugspunkt und Stütze. Im Gespräch kannst du dich daran langhangeln und darauf beziehen. Gleichzeitig ermöglicht es dir ein „Auslagern“ deiner Gedanken und Gefühle. Indem du über das Werk sprichst nimmst du eine außenstehende, beobachtende Rolle ein und baust die notwendige Distanz zu deinem inneren Erleben auf.
Wenn du mehr über Kunsttherapie erfahren möchtest, dann schau gerne in diesem Blogbeitrag vorbei.
Unterschiedliche Materialien = unterschiedliche Qualitäten und Einsatzfelder
Wie du jetzt weißt, arbeiten wir in der Kunsttherapie nicht ohne Grund mit künstlerischen Materialien. Das breite Materialangebot bietet verschiedene Möglichkeiten, dich in deiner inneren Auseinandersetzung unterstützen. Dabei verhält sich jedes Material im Umgang unterschiedlich und diese Materialeigenschaften können wir uns in der Kunsttherapie zu Nutzen machen.
Mit festen Farben wie Buntstifte, Kreiden oder Filzstifte wird bspw. jeder Strich bewusst gesetzt. Sie ermöglichen dadurch das Ziehen von klaren Linien, Mustern und Flächen. Diese Eigenschaft ist besonders dann wichtig, wenn du ein Bedürfnis nach Kontrolle, Sicherheit und Stabilität hast.
Flüssige Farben verhalten sich dagegen fließend. Dadurch hast du wenig bis keine Kontrolle und eben genau das Gegenteil von festen Farben. Sie ermöglichen ein freieres, zufälliges Arbeiten, bei dem du deine Gedanken schweifen lassen kannst. Sie kommen besonders dann zum Einsatz, wenn du weniger mit dem Kopf und mehr aus dem Gefühl heraus arbeiten möchtest.
Neben festen und flüssigen Farben wird in der Kunsttherapie auch gerne mit Ton gearbeitet. Dieser ist besonders wandelbar und nimmt jede Form an, die du ihm gibst. Er regt zum Experimentieren und spielen an und schafft dadurch einen unmittelbaren Zugang zu deinen eigenen kreativen Kräften. Ton ist ein Naturmaterial und daher empfinden ihn viele auch als besonders zentrierend und erdend. Durch seine Dreidimensionalität ist Ton noch mehr ein „Gegenüber“ als die Arbeit mit Farben auf Papier.
Welche Materialien solltest du zu Hause haben, wenn du online an einer kunsttherapeutischen Stunde teilnehmen möchtest?
Nimmst du an Kunsttherapie in einer Klinik oder Praxis vor Ort teil, dann werden dir hierfür in der Regel alle Materialien zur Verfügung gestellt. Aber wie sieht es aus, wenn du online an einer kunsttherapeutischen Stunde teilnimmst? Je nach Anbieter werden dir die Materialien entweder vorab zugeschickt (gegen Bezahlung) oder du bekommst eine Materialliste und musst dich selbstständig um die benötigten Materialien kümmern.
Da Kunstmaterialien meist nicht gerade günstig sind, verzichte ich in meinen Online-Angeboten auf spezifische Materialvorgaben. Du bekommst zwar eine Liste und kannst dir, wenn du möchtest, gerne neue Materialien besorgen. Ich achte aber immer darauf, dass du jede Übung in der Regal auch mit den Materialien machen kannst, die du bereits zuhause hast. Sei es mit den Buntstiften, Wachsmalkreiden oder Wasserfarben deines Kindes und dem Papier aus dem Drucker oder einfach nur mit dem Kugelschreiber auf der Rückseite deiner Einkaufsliste. Solange du ein Papier und einen Stift hast, bist du für meine Angebote ausgestattet. Alles darüber hinaus ist natürlich toll aber kein Muss.
Meine liebsten Kunstmaterialien
Wenn du Lust hast, deine Materialien auszutauschen oder ein ganz neues Material auszuprobieren, dann habe ich dir zum Schluss hier noch eine Übersicht über meine liebsten Kunstmaterialien. Die mit * gekennzeichneten Produkte sind Affiliatelinks, d.h. ich bekomme eine kleine Provision für meine Empfehlung. Für dich fallen jedoch keine zusätzlichen Kosten an. Schau gerne auch, ob du das gewünschte Produkt gebraucht findest, bevor du etwas neu kaufst. Das schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern spart auch wertvolle Ressourcen 😊
Welchen Aspekt aus diesem Artikel fandest du am interessantesten? Was ist dein Lieblings-Kunstmaterial? Und bist du Team „Voll ausgestatteter Kunstbedarfsladen“ oder „Team Kugelschreiber und Einkaufsliste“. Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! Ich bin gespannt darauf, von dir zu lesen!
Die Krankheit Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung und scheint somit auf den ersten Blick erstmal nur eine körperliche Krankheit zu sein. Sie betrifft hauptsächlich Frauen und entsteht vermutlich durch eine Hormonveränderung oder Vererbung. Obwohl das Lipödem eine körperliche Erkrankung ist, können viele Zusammenhänge zwischen den Themen Lipödem und Psyche hergestellt werden. Die Diagnose Lipödem birgt also viele Faktoren, die sich auf unser mentales Wohlbefinden auswirken können. Leider beobachte ich immer wieder, dass überwiegend die körperlichen Symptome des Lipödems im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen – sowohl bei Betroffenen als auch bei Fachpersonal. Das ist zum einen natürlich absolut normal und mir ging es damals nicht anders. Schließlich sind sie es, die wir sehen und bewusst fühlen können. Zum anderen gibt es in Bezug auf Veränderungsprozesse oft viele Handlungsempfehlungen, an denen wir uns orientieren können und die uns Sicherheit im Umgang mit ihnen geben. Psychische Belastungen sind dagegen nicht greifbar und es ist oft schmerzhaft sie sich einzugestehen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Der scheinbar einfachere Weg ist die Verdrängung. Und so setzen sich die wenigsten Betroffenen wirklich aktiv mit ihrem mentalen Wohlbefinden auseinander. Dazu kommt, dass vielen zwar bewusst ist, dass die Diagnose sie auch mental belastet, aber sie gehen davon aus, dass es ihrer Psyche schon besser gehen wird, sobald die körperlichen Symptome gemildert sind. Ich möchte dir hier keinen Vorwurf machen, denn mir ging es nach der Diagnose damals auch nicht anders. Ich hatte genau diesen Gedanken. Ich wusste, dass mich das Aussehen meiner Beine mental belastet und hatte mir neben der Schmerzlinderung selbstverständlich auch eine mentale Verbesserung versprochen, als ich mich damals für die Liposuktionen entschied. Warum das ein absoluter Denkfehler und meiner Meinung nach nicht möglich ist, erzähle ich dir gleich.
Du möchtest den Beitrag lieber anhören? Dann schau gerne bei meinem Podcast vorbei!
Inhalt
Seelische Belastungen durch die Diagnose Lipödem
Stigmatisierung von Übergewicht in der Gesellschaft
Zukunftsangst
Finanzieller Druck
Unverständnis des Umfelds
Jahrelange Ungewissheit
Jahrelange Schuldfrage und Versagensthematik
Verlust der Selbstkontrolle
Stress durch großen Umfang an Selbstmanagement
und viele mehr…
Lass uns im Folgenden einen genauen Blick darauf werfen, inwiefern diese seelischen Belastungen häufig mit der Diagnose Lipödem einher gehen.
Stigmatisierung von Übergwicht in der Gesellschaft
Viele Betroffene mit der Diagnose Lipödem leiden (bedingt durch die Erkrankung) an teils starkem Übergewicht. Dieses wird in unserer heutigen Gesellschaft leider von vielen nicht akzeptiert, weshalb auch Lipödembetroffene mit vielen negativen Reaktionen konfroniert werden. Diese beginnen oft schon sehr früh, wodurch Mobbingerfahrungen in der Kindheit und Jugend nicht selten sind.
Zukunftsangst
Das Lipödem ist eine chronische Krankheit, das heißt sie wird im Laufe der Zeit nicht besser sondern im Zweifel immer schlimmer. Und vor genau dieser Verschlimmerung bspw. durch eine erneute Hormonveränderung in der Schwangerschaft haben viele Betroffene Angst. Dazu kommt diese leise Stimme im Hinterkopf, die immer wieder daran erinnert, dass auch eine Vererbung an die eigenen Kinder möglich ist. Und klar ist, diese körperlichen und seelischen Belastungen, die man dann damit weiter gibt wünscht sich keine Mutter für ihre Kinder.
Finanzieller Druck durch die Liposuktionen
Die operative Behandlung des Lipödems durch sogenannte Liposuktionen wird bis heute nur in wenigen Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen. Viele Betroffene leiden deswegen darunter, sich diesen Weg nicht leisten zu können. Andere verschulden sich massivst (teilweise mehrere Zehntausend Euro) und leiden dann unter dem finanziellen Druck das Geld zurückzuzahlen.
Unverständnis des Umfelds
Obwohl es sich bei der Erkrankung Lipödem um eine anerkannte Diagnose handelt, sind dennoch viele Betroffene damit konfroniert, dass ihr Umfeld diese nicht versteht oder gar nicht erst anerkennt. Zu sehr ist immernoch das Vorurteil verankert, dass Übergewicht selbstverschuldet und durch Undisziplin, Faulheit und zu viel Kalorienzufuhr verursacht ist. – Warum dies so gut wie nie die Ursache ist (unabhängig von Lipödem), darauf gehe ich bald in einem anderen Blogbeitag ein. – Dieses Unverständnis mach einsam und führt bei vielen Betroffenen dazu, dass sie sich zurückziehen oder sogar selbst an sich und der Diagnose zweifeln.
Jahrelange Ungewissheit
Wie viele Jahre es von den ersten Symptomen bis zur Diagnose braucht ist natürlich sehr individuell. Ich selbst habe 4 Jahre auf meine Diagnose gewartet aber ich kenne mittlerweile viele Betroffene, bei denen es sogar mehrere Jahrzente gedauert hat. Leider ist dies keine Seltenheit sondern eher die Regel, was zum einen mit der Stigmatisierung von Übergewicht bei Ärzten aber auch mit der Unwissenheit der Ärzte/ der Gesellschaft zu tun hat. Das diese jahrelange Ärzteodysee mit regelmäßigen äußerst negativen Erfahrungen zu mentalen Belastungen führt ist denke ich klar.
Jahrelange Schuldfrage und Versagensthematik
Dieser Aspekt hat viel mit dem vorherigen Punkt zu tun. Denn wenn jahrelang keine Diagnose gestellt wird, dann suchen Betroffene die Erklärung für die eigenen Symptome zwangsläufig bei sich selbst. Vorallem für die stetige Gewichtszunahme und die im Gegensatz dazu stehende unmögliche Gewichtsreduktion (in Bezug auf die krankhaften Lipödem-Fettzellen) wird die Schuld sich selbst gegeben.
Verlust der Selbstkontrolle
Die krankhaften Lipödem-Fettzellen sind nach jetztigem Wissensstand sowohl Diät- als auch Sportresistent. Was so viel heißt wie: ein guter Wille und Disziplin helfen nichts. Der Verlust an Selbstkontrolle kann schnell dazu führen, dass man sich als nicht handlungsfähig erlebt, was weitreichende Folgen haben kann. Denn wenn du das Gefühl hast, mit deinen eigenen Handlungen nichts zu bewirken, verkümmern deine Selbstheilungskräfte. Außerdem fühlen sich viele Betroffene fremdbestimmt in Bezug auf das Tragen der Kompressionsversorgung.
Stress durch großen Umfang an Selbstmanagement
Selbstmanagement ist ein wichtiger Faktor für einen guten Umgang mit der Diagnose. Dazu gehören neben einer gesunden Ernährung und Sport auch das tägliche Eincremen und Tragen der Kompression sowie viele Termine bspw. im Sanitätshaus, der Lympdrainage oder bei Ärzten dazu. Dieser enorme Zeit- und Kooerdinationsaufwand sorgt schnell mal für Stress, denn er kommt natürlich zum eh schon alltäglichen Arbeitspensum nochmal obendrauf.
Das waren jetzt nur ein paar Faktoren, die mir ohne groß nachzudenken direkt in den Sinn kamen. Es gibt noch viele weitere, teilweise auch sehr individuelle Themen, die mit der Diagnose Lipödem in Verbindung gebracht werden können.
Deine Denk- und Verhaltensmuster ändern sich nicht von heute auf morgen
Das Problem mit generell allen mentalen Themen, die nicht bearbeitet werden: sie bleiben und werden nicht einfach von alleine verschwinden. Auch eine bzw. mehrere Liposuktionen können dir dabei meiner Meinung nach nicht helfen, denn du wirst nicht plötzlich alle negativen Erfahrungen vergessen, die du aufgrund deines Körpers gemacht hast. Ebenso wenig wird sich dein Verhalten plötzlich verändern, ohne, dass du aktiv etwas dafür tust. Wie soll das auch funktionieren? Deine Denk- und Verhaltensmuster haben sich über so viele Jahre im Laufe deines Lebens in dir verankert und eine Abnahme alleine wird diese nicht von heute auf morgen alle verändern. Du bist innerlich immernoch der selbe Mensch wie ein paar Stunden vorher – nur dein Körper hat sich verändert. Du wachst am morgen danach nicht einfach auf und hast ein gesundes Verhältnis zum Essen und zum Sport. Auch dein Umfeld wird ändert sich nicht von heute auf morgen. Mein Gewicht ist bspw. weiterhin bei fast jedem Familientreffen ein Thema und wird meistens kurz angesprochen. Aber was meiner Meinung nach der aller wichtigste Aspekt ist: Die Art wie du über dich slebst denkst und wie du mit dir und deinem Körper umgehst wird sich auch nicht plötzlich ändern. Was ich damit meine ist, du wirst immer etwas finden, dass dir an deinem Körper nicht gefällt, wenn du nicht lernst von innen heraus glücklich zu sein. Umso wichtiger ist sich aktiv mit den eigenen Erwartungen und der Einstellung zu seinem Körper auseinander zu setzen.
Du bist gefragt!
Ich bin jetzt (ungewollt) sehr auf das Thema Liposuktion eingegangen aber im Endefekt ist alles auch auf eine generelle Gewichtsreduktion übertragbar. Mach nicht den Fehler und konzentriere dich nur auf deine körperlichen Symptome. Wenn du langfristig einen guten Umgang mit deiner Diagnose finden möchtest ist es wichtig beide Seiten im Blick zu haben. Sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte. Wenn du aus deinem Blogbeitrag eins mitgenommen haben solltest, dann ist es nicht zu vergessen, aktiv an deinen mentalen Themen zu arbeiten. Ja es ist ein langer Prozess und ja er ist mit Sicherheit auch phasenweise schmerzhaft aber er wird sich lohnen und du wirst stärker und glücklicher daraus hervorgehen.
Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Blogbeitrag einen kurzen Einblick in die mentalen Aspekte der Diagnose Lipödem geben und dir aufzeigen, wie wichtig es für einen gesunden Umgang mit der Krankheit auch diese nicht aus dem Auge zu verlieren sondern aktiv zu bearbeiten. Falls du dabei Hilfe brauchst, kannst du dichhier gerne jederzeit bei mir melden.
Jetzt interessiert mich aber wie du zu dem Thema Lipödem und Psyche stehst. Hast du den Eindruck, die Diagnose wirkt sich auf dein mentales Wohlbefinden aus und wenn ja inwiefern? Und setzt du dich bereits aktiv mit diesen Aspekten auseinander? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! Ich freue mich über einen interessanten Austausch und bin gespannt darauf von dir und einen Erfahrungen zu lesen!
Die Kompression – ein täglicher Begleiter im Leben von Lipödem-Betroffenen. Doch wie nehmen wir sie wahr? Ich habe den Eindruck, beim Thema Kompression gibt es zwei Lager innerhalb der Lipödem Community. Die Einen empfinden das Tragen der Kompression als große Erleichterung im Alltag, die ihnen einen schmerzfreien Tag und ein leichtes Gefühl verschafft. Die Anderen verbinden mit ihrer Kompression genau das Gegenteil – Zwang, Einengung und Kontrollverlust.
Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die hauptsächlich Frauen betrifft. Dabei kommt es zu einer ungleichmäßigen Fettverteilung an den Beinen und manchmal auch Armen. Typische Symptome eines Lipödems sind neben der Zunahme von Fettgewebe unter anderem auch eine starke Druckempfindlichkeit und ein Schweregefühl an den betroffenen Stellen sowie die Neigung zu blauen Flecken. Die genauen Ursachen eines Lipödems sind bisher noch nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass hormonelle Faktoren, genetische Veranlagung und Entzündungen im Körper eine Rolle spielen. Das Lipödemfett kann nicht durch Diät oder Sport behandelt werden, da es sich um eine krankhafte Veränderung des Fettgewebes handelt. Als Therapie bekommen Betroffene häufig eine Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfen sowie Bewegungstherapie oder ergänzend auch eine operative Fettabsaugung.
Was ist ein Lipödem?
Täglich grüßt das Murmeltier: zwischen Überwindung und Erleichterung
Wie geht es dir mit deiner Kompression? Hast du das morgendliche Anziehen bereits in deine Routine integriert oder ist es immer wieder eine Überwindung? Mache dir bewusst, dass beides absolut in Ordnung ist!
Jeden Morgen stehen wir aufs Neue vor der Herausforderung. Kommt dir das bekannt vor? Dein Pflichtgefühl meldet sich, wenn du kurz nach dem Aufwachen einen Blick auf deinen übervollen Klamotten-Stuhl wirfst und siehst, wie deine Kompression schon vorwurfsvoll auf dich wartet. “Nein, heute nicht“, denkst du dir dann aber, denn du fühlst dich wieder mal komplett fremdbestimmt. Ja, du merkst zwar schon, dass sie dir gut tut, aber du hast eben nicht das Gefühl, dass du eine Wahl hast und das frustriert dich. Du fühlst dich komplett eingeengt – mental und auch körperlich – und das macht die Sache auch nicht unbedingt besser.
In diesem Blogbeitrag schauen wir uns genauer an, woher deine negativen Gefühle in Bezug auf deine Kompression kommen können und wie du lernen kannst, eine positive Beziehung zu ihr aufzubauen.
Die Diagnose als eigentliche Herausforderung
Ich stelle hier mal eine These auf, die du gerne für dich und deine Situation überprüfen kannst: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Kompression selbst, sondern in der Diagnose Lipödem. Gibt es bei dir unbearbeitete innere Themen, die dazu führen, dass dich die Diagnose belastet?
Was ich damit sagen will ist, dass die Kompression ganz nüchtern betrachtet nur ein Kleidungsstück ist. Ja, ein Kleidungsstück, das nicht sonderlich einfach anzuziehen ist und das nicht jede trägt, aber eben trotzdem nur ein Kleidungsstück. Im Prinzip zwingt dich auch niemand, die Kompression anzuziehen. Warum es sich aber trotzdem oft so anfühlt, schauen wir uns gleich nochmal genauer an. Nüchtern betrachtet gibt es also eigentlich nicht viele Gründe für deine Abneigung gegenüber deiner Kompression.
Was das ganze allerdings oft so schwer macht, sind die Emotionen, die du auf deine Kompression überträgst. Die Kompression wird sozusagen zum „Container“ für deine negativen Gedanken und Gefühle, die mit deiner Krankheit Lipödem verbunden sind. Ist im ersten Moment ja auch logisch. Die Diagnose ist nicht greifbar und es fällt uns oft leichter, unsere Emotionen an einer konkreten Sache festzumachen. Wir bündeln also all unseren Frust, unsere Wut und unsere Verzweiflung in etwas greifbaren – der Kompression.
Um die Beziehung zu deiner Kompression zu verbessern, ist es wichtig, diese Emotionen zu identifizieren und zu reflektieren, ob sie wirklich durch die Kompression ausgelöst werden oder eben durch die Diagnose selbst.
Eine kleine Übung: Die Bedeutung der Kompression erkennen
Unterbrich das Lesen dieses Artikels kurz und hole dir einen Stift und Papier. Falte das Papier in der Mitte und überlege dir nun, was deine Kompression für dich bedeutet bzw. symbolisiert. Auf der linken Seite schreibst/malst du alle negativen Aspekte auf und auf der rechten Seite des Papiers alle positiven Aspekte. Diese Übung ist eine effektive Methode, um dir über deine Wahrnehmung in Bezug auf die Kompression bewusst zu werden und ihre Bedeutung zu reflektieren. Was symbolisiert sie für dich? Schau dir im nächsten Schritt alle Aspekte an, die du dir notiert hast. Überlege dir, welches Problem wirklich hinter jedem Aspekt steckt. Sind die Aspekte durch die Kompression ausgelöst oder entstehen sie durch die Diagnose?
Wichtig: Für deine mentale Gesundheit wird es dir langfristig nicht helfen, deine negativen Emotionen von deiner Kompression auf deine Diagnose zurück zu verlagern. Wenn du merkst, dass du viele negative Emotionen mit deiner Diagnose verbindest, dann ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen und diese aufzuarbeiten. Hierfür biete ich bspw. auch kunsttherapeutische Einzelbegleitungen an.
Die Kompression ist nicht dein Feind sondern dein Freund
Wir fühlen uns oft fremdbestimmt, wenn wir eine Sache nicht aus innerer Motivation, also aus eigenem Antrieb heraus machen. Das bedeutet im Umkehrschluss: wenn wir uns selbst dazu entscheiden etwas zu tun, fühlen wir uns nicht fremdbestimmt. Aber wie schaffst du es nun, deine Kompression aus eigener Motivation heraus zu tragen? Hier ist ein Perspektivenwechsel entscheidend. Durch die vorherige Übung hast du vielleicht schon herausgefunden, dass die Kompression nicht dein Feind ist. Im nächsten Schritt wollen wir nun versuchen, sie als Freund zu sehen.
Das Kompressions-Tagebuch
Deine Kompression ist ein medizinisches Hilfsmittel, mit dem du mehr Erleichterung im Alltag erreichen kannst. Es ist allerdings schwierig, die Kompression als Hilfsmittel zu sehen, wenn du keinen messbaren Erfolg spürst. Eine kleine Übung, um dir den Mehrwert deiner Kompression bewusst zu machen ist folgende:
Führe ein Kompressions-Tagebuch. Notiere dir jeden Abend, ob du deine Kompression heute getragen hast und wie es dir den Tag über ging. Vergleiche Tage, an denen du die Kompression nicht an hattest mit Tagen, an denen du sie getragen hast. Der Vergleich zwischen Tagen mit und ohne Kompression kann helfen, den positiven Einfluss auf deine Lebensqualität zu erkennen. (wichtig: Nicht jede Betroffene berichtet von einer Verbesserung durch die Kompression. Wenn du keinen Unterschied wahrnimmst, sprich mit deinem Arzt über andere mögliche Behandlungsoptionen)
Kunsttherapie als Weg zur Transformation
Für eine tiefgehende und begleitete Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung zur Kompression biete ich einen kunsttherapeutischen Workshop an.
Du möchtest wieder das Gefühl haben, selbst über deinen Körper zu entscheiden und dich nicht mehr nur deinem Schicksal ergeben? Das Tragen der Kompression soll aus deinem eigenem Antrieb heraus kommen – weil DU merkst, dass es DIR gut tut? Du möchtest einen Perspektivenwechsel und deine Kompression nicht mehr als Feind sondern als Freund sehen?…
Nimm dir Zeit und setze dich in deinem geschützten Rahmen mit deiner Einstellung zu deiner Kompression auseinander. In diesem kunsttherapeutischen Workshop ist Raum für all deine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle, in Bezug auf dein Lipödem und deine Kompression. Gemeinsam mit maximal 5 Teilnehmerinnen beschäftigst du dich künstlerisch mit verschiedenen Aspekten des Lebens mit Kompression und arbeitest daran, eine bessere Beziehung zu deiner Kompression aufzubauen. Tausch dich mit anderen Betroffenen über Erfahrungen aus, lerne von unterschiedlichen Blickwinkeln und profitiere von der gegenseitigen Bestärkung!
Fazit: mit der Kompression statt gegen sie
Die Kompression kann ein Werkzeug zur Verbesserung der Lebensqualität sein. Wenn du möchtest, dass sie nicht den gesamten Raum in deinen Gedanken einnimmt, sondern zu einer Selbstverständlichkeit wird, ist es notwendig, sie zu akzeptieren. Durch Selbstreflexion, das Führen eines Kompressions-Tagebuchs und die unterstützende Teilnahme an kunsttherapeutischen Workshops kannst du einen Weg finden, die Kompression nicht nur als notwendiges Übel, sondern als Freund auf deinem Weg zu mehr Selbstbestimmung zu sehen.
Jetzt interessiert mich aber: Wie geht es dir in Bezug auf deine Kompression? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!
Hast du dich schonmal gefragt, wie dein Lipödem als Fabelwesen aussehen würde? Nein? Das dachte ich mir schon 😀
Ja, diese Vorstellung mag im ersten Moment recht surreal und unlogisch sein, aber es kann helfen, sich mit der eigenen Krankheit auseinanderzusetzen. Indem du dir Gedanken über die positiv und negativ empfundenen Aspekte deines Lipödems machst, bekommst du ein besseres Bild davon und kannst lernen, mit der Diagnose besser umzugehen. Außerdem ermöglicht es dir, dir selbst und deinem Umfeld besser zu verdeutlichen, wie sich dein Lipödem auf dich auswirkt und wie du es wahrnimmst.
Welche Eigenschaften hat deine Krankheit, also das Lipödem? Wie sähe dein Lipödem als Fabelwesen aus? Wie würde es sich verhalten? Wie ist es im Umgang mit dir oder anderen? Was mag es und was mag es nicht? Welche Bedürfnisse sind ihm besonders wichtig?
Genau diese Fragen haben sich einige Lipödembetroffene im Juli in meinem kunsttherapeutischen Online-Workshop gestellt und ihr eigenes “Lipödem-Wesen” gestaltet.
Was ist Kunsttherapie? Kurz und knapp erklärt: Kunsttherapie zählt zu den künstlerischen Therapieformen und verbindet die Bereiche Kunst und Psychologie. Das heißt, in der Kunsttherapie wird die therapeutische Beziehung, also die Beziehung zwischen Therapeuten und Klient, um ein Drittes – nämlich das künstlerische Medium – erweitert. Je nach Einsatzbereich liegt der Fokus der kunsttherapeutischen Arbeit auf der Prävention oder auf einer bestimmten Problemstellung, die gemeinsam bearbeitet wird. Der kunsttherapeutische Ansatz hilft dir u.a. dabei dich besser zu Öffnen und Unterbewusstes sichtbar zu machen. Künstlerische Medien wie bspw. Stifte, Farben oder Ton werden in der Kunsttherapie therapeutisch angewendet. Das ermöglicht dir Werke erschaffen, welche deine Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Fantasien abbilden. Diese Abbildungen helfen dir u.a. dabei, bewusste und unbewusste Konflikte und Probleme wahrzunehmen, zu definieren und zu kommunizieren. Durch die Arbeit mit künstlerischen Medien wird besonders deine visuelle und haptische Wahrnehmung aktiviert, die Entwicklung deiner innerer Bilder gefördert sowie deine sozial-kommunikative Kompetenz gestärkt. Sie unterstützt sowohl deine Krankheitsbewältigung als auch deine Selbstregulation und stärkt deine Fähigkeit zur Kommunikation mit dir selbst und anderen. Besonders wirksame Faktoren bilden sowohl der Entstehungsprozess als auch die entstanden Werke, da sie dir helfen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und der eigenen Identität zu entwickeln sowie deine Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Für die Kunsttherapie brauchst du keine künstlerischen Talente oder Vorkenntnisse.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sind wir mit einer Imaginationsreise in den Workshop gestartet. Während dieser Reise trafen die Teilnehmerinnen auf einer Lichtung im Wald das erste Mal auf ihr Lipödemwesen. Sie hatten Zeit, es ganz genau zu betrachten und du beobachten, wie es sich verhält und auf sie reagiert. Dadurch hatten sie bereits eine erste Vorstellung davon, wie ihr Lipödemwesen aussieht. Im Anschluss an die Imaginationsreise hatten die Teilnehmerinnen dann Zeit, das was sie währenddessen wahrgenommen, gedacht und gefühlt haben aufs Papier zu bringen. Ohne viel nachzudenken, sind alle Teilnehmerinnen direkt in die Gestaltungsphase eingetaucht. Während der Imaginationsreise hatten sie bereits ein genaues Bild von ihrem Lipödemwesen vor Augen, welches sie nun konzentriert mit künstlerischen Materialien ins Außen übertrugen. Bis zum Ende der vorgesehenen Zeit arbeiteten alle Teilnehmerinnen in Ruhe und für sich. Danach gab es die nächste Aufgabe: Schreibe ein Gedicht, eine Geschichte oder einen Brief an oder über dein Lipödemwesen. Anders als die künstlerische Umsetzung ihres Lipödemwesens stellte dies eine größere Herausforderung für die Teilnehmerinnen dar. Für das, was man denkt und fühlt die richtigen Worte zu finden kann sehr schwer sein. Unter anderem deswegen finde ich es so wertvoll, dass man das in der Kunsttherapie oft nicht muss. Denn wenn die Worte fehlen, sprechen Bilder. Nachdem jedoch die erste Irritation überwunden war, haben auch hier alle einen guten Zugang gefunden und ihre Texte verfasst. Damit war der künstlerische Prozess des Workshops beendet und es ging in die gemeinsame Reflexion des Erlebten.
Die Teilnehmerinnen haben hier die Möglichkeit genutzt, um ihre entstandenen Werke und Texte vorzustellen und der Gruppe zu präsentieren. Durch gezielte Fragen unterstütze ich dabei, noch tiefer in den Prozess einzutauchen und neue Erkenntnisse zu sammeln.
Was Melanie über ihre Erfahrungen aus dem Workshop berichtet:
„Am Sonntag durfte ich wieder an einem tollen Workshop von Sarina @lipoedem_im_kopf zum Thema „Lipödem als Fabelwesen“ teilnehmen. Natürlich hatte ich im Vorfeld schon überlegt, mit welchem Fabeltier oder -tieren mit welchen Eigenschaften und Strukturen ich mein Lipödem assoziiere. Ich muss hier unbezahlte Werbung für Sarinas Workshops machen: sie bereitet auch in der Kürze der Zeit die Themen der Workshop so gut vor, dass man relativ schnell nach einer Vorstellungsrunde im Thema ist und mit dem kreativen Prozess beginnen kann. Und dann fließt es einfach – zumindest bei mir. Wichtig ist es nicht, dass am Ende ein vollständiges Kunstwerk in Künstlerqualität entsteht. Das ist auch in Anbetracht der Zeit nicht möglich oder Zielsetzung. Wichtig ist es, sich einen ruhigen und stressfreien Raum zu schaffen, um sich vollständig einlassen und auseinandersetzen zu können. Wichtig ist, dass die eigenen Gefühle einen Raum bekommen: alle Gefühle haben ihre Berechtigung! Mein Fabelwesen hat keinen Namen, es ist einfach mein Lipödem, wie ich ihm in meiner Traumreise begegnet bin. Es hat viele Facetten: es ist hart und weich. Es brennt wie Feuer und gleichzeitig hat es kalte Extremitäten. Es ist groß und stark und packt immer wieder mit seinen kräftigen Krallen zu bis es schmerzt. Manchmal sticht es mit seinen Hörnern oder Zacken zu. Gleichzeitig ist es ein Teil von mir, der mir nichts Böses will. Traurig, denn aufgrund seiner Größe und Kraft kann ich es nicht länger bei mir behalten – es muss schrumpfen, ihm muss die Kraft genommen werden, damit wir beide wieder gut miteinander leben können. Es ist und bleibt eine chronische Krankheit. Deshalb ist es gut, dass es ein Gesicht bekommen hat. Zusätzlich hat uns Sarina einen sprachlichen Auftrag gegeben. Ich habe mich für ein Elfchen entschieden. Ob es so ewig bleibt, kann ich nicht sagen. Alles ist im Prozess. Was ich aber sagen kann: durch Sarinas Workshops konnte ich meinen Verarbeitungsprozess wieder ein Stück weiter nach vorne bringen und bin dankbar, dass ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe.“
Feedback von Milena:
„Ich fande als Neuling den Workshop sehr interessant und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die zwei Stunden waren unfassbar schnell rum. Der Austausch mit den anderen war sehr interessant und hat mir richtig gut getan. Ich bin mit einem sehr emotionalen Gefühl aus diesem Workshop gegangen auf positiver Seite! Ich würde ihn immer wieder machen!:)“
Jetzt interessiert mich aber: Wie sieht dein Lipödem als Fabelwesen aus? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!
Bist du beim nächsten Workshop auch dabei? Entdecke hier, das Workshopangebot der nächsten Monate.
Die Online-Workshops sind ideal für dich, wenn du dir mehr Unterstützung und einen Austausch mit anderen Betroffenen wünschst. Dort setzen wir uns jeweils mit einer abgestimmten kunsttherapeutischen Methode intensiv mit verschiedenen Aspekten der Diagnose Lipödem auseinander. Kunsttherapie kann eine wertvolle Unterstützung und Ausdrucksform sein, um emotionale und psychologische Belastungen des Lipödems zu verarbeiten sowie den Bezug zum eigenen Körper wieder zu entdecken!
Weiblichkeit und Lipödem – ein Thema, das vermutlich viele Frauen betrifft, das aber selten thematisiert beziehungsweise oft tabuisiert wird. Da die Krankheit Lipödem oftmals zu körperlichen Veränderungen führt, welche von der gesellschaftlichen Norm abweichen, kommt es bei Betroffenen nicht selten zu Unsicherheiten und Schamgefühlen. Ich bin selbst Lipödembetroffene und in diesem Blogbeitrag möchte ich mich mit der Frage auseinandersetzen, welchen Einfluss die körperlichen Veränderungen auf das Gefühl von Weiblichkeit sowie welche Auswirkungen diese auf das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung von Frauen mit Lipödem haben können.
Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die hauptsächlich Frauen betrifft. Dabei kommt es zu einer ungleichmäßigen Fettverteilung an den Beinen und manchmal auch Armen. Typische Symptome eines Lipödems sind neben der Zunahme von Fettgewebe unter anderem auch eine starke Druckempfindlichkeit und ein Schweregefühl an den betroffenen Stellen sowie die Neigung zu blauen Flecken. Die genauen Ursachen eines Lipödems sind bisher noch nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass hormonelle Faktoren, genetische Veranlagung und Entzündungen im Körper eine Rolle spielen. Das Lipödemfett kann nicht durch Diät oder Sport behandelt werden, da es sich um eine krankhafte Veränderung des Fettgewebes handelt. Als Therapie bekommen Betroffene häufig eine Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfen sowie Bewegungstherapie oder ergänzend auch eine operative Fettabsaugung.
Was ist ein Lipödem?
Was bedeutet „Weiblichkeit“?
Weiblichkeit ist ein Konzept, das oft von Stereotypen und Geschlechterrollen geprägt ist. Es gibt jedoch keine einheitliche Definition von Weiblichkeit, da sie von kulturellen, sozialen und persönlichen Faktoren beeinflusst wird. In unserer Gesellschaft gibt es körperliche, emotionale und soziale Merkmale, die als typisch weiblich gelten. Dazu gehören beispielsweise Sanftheit, Sensibilität, Empathie, Intuition, Fürsorglichkeit, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz. Als typische weibliche körperliche Merkmale gelten Rundungen, weichen Formen und eine sanfte Stimme (mir ist wichtig hier zu erwähnen, dass Weiblichkeit nicht auf biologische Geschlechtsmerkmale beschränkt sein muss). Sozial und kulturell betrachtet bezieht sich Weiblichkeit auf die Rolle und Position einer Frau in der Gesellschaft und die damit verbundenen Erwartungen und Normen (ich stelle hier mal in den Raum wie fraglich diese heutzutage immer noch sind).
Weiblichkeit – doch nur ein Konstrukt nur für schlanke Frauen?
Leider gibt es in unserer Gesellschaft auch einen verbreiteten Stereotyp, dass dicke Frauen nicht weiblich sind. Dieser Stereotyp basiert auf dem Idealbild eines schlanken Körpers, welches in der Mode-, Beauty- und Unterhaltungsindustrie propagiert wird. Übergewichtige Frauen werden häufig unter anderem als faul, unattraktiv oder ungesund stigmatisiert, was dazu führt, dass ihre Weiblichkeit in Frage gestellt wird – sowohl von anderen aber auch von sich selbst. Diese Stigmatisierung führt im Alltag oft zu Diskriminierung, Mobbing und Ausgrenzung. Die Auswirkungen dieser Stereotypen für Betroffene können weitreichend sein- zum einen im Kontakt mit anderen Menschen, aber auch im Kontakt mit sich selbst. So leidet häufig ihr Selbstwertgefühl und ihr allgemeines Wohlbefinden und/oder sie fühlen sich unsicher in ihrem Körper und isolieren sich von anderen. Übergewichtige Frauen leiden häufig unter Body Shaming, sie müssen sich ständig rechtfertigen und im schlimmsten Fall kann es auch dazu führen, dass sie sich als weniger wert betrachten ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche aufgrund ihres Körpers unterdrücken. Lipödembetroffene sind von diesen Vorurteilen häufig auch betroffen.
Auch ich habe meinen Körper lange als „nicht weiblich“ genug wahrgenommen. Ich hatte die Vorurteile selbst so sehr verinnerlicht, dass ich davon ausging, mein Partner könne mich gar nicht weiblich und attraktiv finden. Totaler Bullshit! Weiblichkeit hat nichts mit deiner Figur oder deinem Körpergewicht zu tun. Du bist weiblich, wenn du dich als Frau fühlst. Ganz egal, wie groß, klein, dick, dünn, natürlich, selbstbewusst, einfühlsam oder sonstiges du bist. Niemand sollte dir deine Weiblichkeit absprechen dürfen. Weiblichkeit ist, wie du es für dich definierst. Vergleiche dich nicht mit anderen Frauen! Es gibt keinen Test, bei dem deine Weiblichkeit auf einer Skala gemessen wird.
Wie also kannst du als Lipödembetroffene wieder eine Verbindung zu deiner Weiblichkeit herstellen?
Der erste Schritt ist ganz klar, die zahlreichen Stereotypen und Vorurteile zu hinterfragen und dich von ihnen zu lösen. Es ist wichtig, dass du erkennst, dass deine Weiblichkeit nicht von deinem Körpergewicht abhängt und jeder Körper schön und weiblich sein kann. Ich weiß, dass ist leichter gesagt und ein langer Prozess, bei dem du Geduld und Zeit investieren musst, aber es lohnt sich! Es kann auch helfen, wenn du dir 3-5 stärkende Affirmationen aufschreibst und sie dir täglich in den Spiegel sagst. Außerdem finde ich es wichtig, dir selbst Akzeptanz und Mitgefühl zu schenken. Mache dir dafür Gedanken, was Weiblichkeit wirklich für dich bedeutet, und versuche dabei darauf zu achten, ob du wieder in Stereotypen zurückfällst. Überlege dir im nächsten Schritt, welche Eigenschaften, Merkmale oder Verhaltensweisen du an dir weiblich findest.
Wenn du dir mehr Unterstützung und einen Austausch mit anderen Betroffenen wünschst, kann ich dir auch meinen Live Online-Workshop am 30.04.2023 ans Herz legen. Dort setzen wir uns mit einer kunsttherapeutischen Methode nochmal intensiv mit unserer Weiblichkeit auseinander. Kunsttherapie kann eine wertvolle Unterstützung und Ausdrucksform sein, um emotionale und psychologische Belastungen des Lipödems zu verarbeiten sowie den Bezug zum eigenen Körper und zur Weiblichkeit wieder zu entdecken!
Jetzt interessiert mich aber: Wie geht es dir in Bezug auf deine Weiblichkeit? Gibt es Situationen, in denen du dich nicht weiblich fühlst? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!
Mit dem neuen Jahr geht das alte zu Ende. Für viele ist das der Moment, ihre Gewohnheiten zu hinterfragen, Altes loszulassen und Neujahrsvorsätze anzugehen. Wie du deinen Jahresabschluss mit kunsttherapeutischen Übungen unterstützen kannst, dazu habe ich dir bereits hier einen Blogbeitrag verfasst. Heute möchte ich dir zeigen, wie du mit Kunsttherapie voller Energie ins neue Jahr starten kannst und deine Ziele wirklich umsetzt. Fällt es dir auch oft schwer, Dinge loszulassen und dich auf Neues zu konzentrieren? Verlierst du schnell deine Ziele aus dem Blick? Weißt du nicht, wie du dir dein Leben eigentlich vorstellst und was dich glücklich macht? Oder hast du einen Traum, aber wirst von deinen eigenen Ängsten daran gehindert, ihn endlich zu leben? Hast du auch das Gefühl, noch nicht angekommen zu sein aber weißt nicht, wie dein Weg dorthin überhaupt aussieht? Dann kann dir dieser Beitrag hoffentlich helfen, mehr Klarheit zu bekommen. Die folgenden sechs Übungen, sollen dich dabei unterstützen zu reflektieren, wo du aktuell stehst, wo du hinmöchtest, wie du dort hinkommst, wie du blockierende Ängste loslässt und wie du deine Bedürfnisse erkennst.
Gestalte dein aktuelles Ich!
Visualisiere dein neues Ich!
Gestalte den Weg zu deinem neuen Ich!
Lasse blockierende Ängste los!
Erkenne deine eigenen Bedürfnisse!
Schreibe dir selbst einen Brief!
Warum Kunsttherapie?
Wie ich schon in einem meiner letzten Beiträge deutlich gemacht habe, hat die Kunsttherapie viele Potentiale und Chancen. Die wichtigsten Aspekte in Bezug auf deinen Start ins Jahr 2022 sind aus meiner Sicht folgende:
Ein großes Potential der Kunst ist es, dass schöpferische Potential der Menschen zu wecken. In der Kunsttherapie kann dies genutzt werden, um die eigenen Selbstheilungskräfte und Ressourcen zu aktivieren. Durch das künstlerische Tun kannst du die Erfahrung machen, deine eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen.
Durch die Bildsprache hast du die Chance für Erkenntnis- und Reflexionsmöglichkeiten, insbesondere durch die wahrnehmbare Differenz zwischen Bild- Körper- und Wortsprache.
Gleichzeitig ermöglicht dir das Gestalten deine Innere Welt ins Außen zu tragen so eigene Empfindungen, Erinnerungen, Fantasien, etc. zu visualisieren und sichtbar zu machen.
Auch der Ausdruck als Befreiung spielt bei den nachfolgenden Vorgehensweisen eine wichtige Rolle. In der Kunsttherapie geht es nicht darum, Kunst zu erschaffen, sondern einen Zugang zu seiner eigenen inneren Welt zu bekommen und sich mit sich selbst und seinem Inneren auseinanderzusetzen. Dieser Prozess wird vor allem durch die Kraft der Fantasie hervorgerufen, die in vielen kunsttherapeutischen Methoden angeregt wird.
Zudem findet in der Kunsttherapie häufig eine Sensibilisierung, Vertiefung und Verfeinerung der eigenen Wahrnehmung statt, denn die Darstellung der eigenen Gefühlswelt durch das künstlerische Medium nach außen hat häufig den Effekt, vorher unterbewusstes und damit Unbekanntes über sich selbst sichtbar zu machen. Ziel der Kunsttherapie ist es daher, durch Techniken und Methoden innere Bilder zu erzeugen, welche dann durch künstlerische Medien nach außen getragen und so verstanden werden.
Wenn du alle Infos rund um die Kunsttherapie nochmal genauer nachlesen möchtest – wie sie entstanden ist, was ihre Wirkweisen sind und vieles mehr – dann empfehle ich dir in diesem Beitrag vorbei zu schauen. Wichtig ist mir nur noch kurz zu sagen, dass es in der Kunsttherapie nicht darum geht, ästhetisch schöne Endergebnisse zu erzielen. Vielmehr dienen die nachfolgenden Methoden der Reflektion des eignen Verhaltens und des eigenen Lebens. Achte bei der Durchführung der Methoden daher vor allem auch bewusst auf den Prozess und dein Empfinden während dem Gestalten. Nun aber zu den einzelnen Schritten:
Mein 6- Schritte-System
1. Gestalte dein aktuelles Ich!
Welche Veränderungen sind notwendig, um ein bewusstes, glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen? Um das herauszufinden, müssen wir uns in erster Linie mit unserem jetzigen Ich beschäftigen. Es bildet die Ausgangslage und den Startpunkt für Veränderungen. Es ist wie beim Wandern: wenn wir nicht wissen, wo der Weg losgeht, werden wir nie auf den richtigen Pfad finden und dadurch auch nie an unserem Ziel ankommen. Klingt logisch, oder? Dann mal los. Nimm dir Materialien deiner Wahl sowie ein Papier in der Größe deiner Wahl (am besten mind. A4) und gestalte ein Selbstbild von dir in der Gegenwart. Wie nimmst du dich aktuell wahr? Wie siehst du äußerlich aus? Welche Kleidung trägst du? Welche Haarfarbe hast du und wie lang sind deine Haare? Wie ist dein Gesichtsausdruck? Welche Stimmung hast? Wie ist deine Körperhaltung? Wenn du mit deinem Selbstbild fertig bist kannst du noch deine Umgebung gestalten. Wo befindest du dich gerade? Schreibe oder gestalte auch gerne Eigenschaften oder Verhaltensweisen von dir um deine Gestaltung herum. Was gehört momentan zu deinem Leben?
2. Visualisiere dein neues Ich!
In dieser Übung machen wir genau das gleiche wie im ersten Schritt. Der Unterschied ist, dass wir nicht unser aktuelles Ich gestalten, sondern unser zukünftiges Ich. Wie möchtest du in der Zukunft wahrgenommen werden? Wie möchtest du aussehen? Welche Stimmung soll dein zukünftiges Ich haben? Welche Kleidung soll es tragen? In welcher körperlichen Verfassung soll es sein und welche Körperhaltung passt zu deinem zukünftigen Ich? Gestalte auch hier gerne deine Umgebung, wie sie in der Zukunft aussehen soll und ergänze Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften, die in der Zukunft zu dir und deinem Leben gehören sollen.
3. Gestalte den Weg zu deinem neuen Ich!
In den letzten beiden Tagen hast du dich mit deinem aktuellen und deinem zukünftigen Selbstbild auseinandergesetzt. Heute beschäftigen wir uns mit dem Weg, wie du von dem einen zum anderen gelangen kannst. In der Kunsttherapie nennt man diesen Prozess auch Probehandeln. Lege dafür deine beiden Gestaltungen mit etwas Abstand nebeneinander und platziere ein weiteres Papier in derselben Größe dazwischen. Schaffe nun eine Verbindung zwischen deinen beiden Gestaltungen, indem du auf diesem Papier den Weg darstellst, den du von deinem jetzigen Leben zu der Vorstellung deines zukünftigen Ichs gehen wirst. Welche Herausforderungen wirst du meistern? Welche Menschen begleiten dich? Welche Meilensteine wirst du passieren? Welche Eigenschaften wirst du dazugewinnen und was wirst du eventuell hinter dir lassen? Überlege dir nachdem du mit dem Gestalten fertig bist, wie du das, was du gemalt hast, in deinem Leben umsetzen kannst.
4. Lasse blockierende Ängste los!
Vor dem Loslassen kommt das Zulassen. Versuche, die Dinge und Ängste, die dich einnehmen und am Wachsen hindern bewusst wahrzunehmen und in sie hinein zu spüren. Gib ihnen Raum und nimm sie als zu dir zugehörig an. Versuche sie nicht verdrängen zu wollen oder mit ihnen in den Kampf zu gehen, sondern begegne ihnen freundlich und wertfrei. Nimm wahr, dass sie da sind. Nur so kannst du sie im nächsten Schritt gehen lassen. Welche Ängste hast du bei dir wahrgenommen? Teile nun ein DIN A3 Papier in drei Teile, indem du es zweimal senkrecht faltest. Finde für jede deiner Ängste ein Symbol oder eine Farbe und mal sie in den mittleren Bereich deines Papiers. Jede deiner Ängste möchte dich schützen aber gleichzeitig verhindern sie dadurch auch etwas. Überlege dir nun zu jeder Angst, welchen Sinn sie hat und wovor sie dich beschützen möchte sowie woran sie dich dadurch hindert. Finde für jeden Aspekt ein Symbol und male die schützenden auf die linke Bildhälfte und die blockierenden auf die rechte Seite. Nachdem du mit deiner Gestaltung fertig bist, betrachte sie und frage dich selbst:
Wie haben meine Ängste mein eigenes Leben blockiert?
Welche Blockaden möchte ich abbauen?
Welche Ängste sind sinnvoll und sollen mir weiterhin Sicherheit bringen?
Was würde passieren, wenn ich einzelne Ängste loslassen würde?
In welcher Verbindung stehen meine Ängste und mein eigener Schmerz?
5. Erkenne deine eigenen Bedürfnisse!
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu deinem neuen Ich ist es, deine eigenen Bedürfnisse zu kennen und diese nicht zu vernachlässigen. Nur so gelingt es dir nachhaltig glücklich zu sein und dadurch die Energie zu haben, um zu wachsen. Nimm dir daher heute kurz Zeit und überlege, was dir guttut. Was sind deine Bedürfnisse? Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Was gibt dir Kraft? Was macht dich glücklich? Nehme dir nun erneut ein DIN A3 Papier und falte es in der Mitte in zwei Teile. Gestalte im nächsten Schritt auf der rechten Bildhälfte ein symbolisches Bild von dir, wenn du ganz verbunden mit deinen eigenen Bedürfnissen lebst. Auf der anderen Bildhälfte entwickeltest du ein symbolisches Selbstbild, wenn du ganz ohne die Beachtung deiner eignen Bedürfnisse lebst. Nachdem du deine Gestaltung beendet hast, reflektiere einen Moment deine Erfahrungen beim Malen. Was siehst du auf dem Bild? Welche Körperhaltung hast du in den jeweiligen Gestaltungen? Welche Unterschiede in deinen Emotionen konntest du im Gestaltungsprozess der beiden Bildhälften wahrnehmen? Welche Auswirkungen hat es auf dein Selbstbild, wenn du deine Bedürfnisse unterdrückst oder sie lebst? Hat sich deine Haltung zu deinen eigenen Bedürfnissen durch die Übung verändert?
6. Schreibe dir selbst einen Brief!
Auch für den Start ins neue Jahr finde ich die Methode, sich selbst einen Brief zu schreiben, eine super Möglichkeit, um mit sich selbst in den Austausch zu gehen und sich freundlich zu begegnen. Allerdings drehen wir den Spieß an dieser Stelle einmal um. In der Jahresreflektion haben wir von uns selbst aus der Gegenwart einen Brief an unser Selbst aus der Vergangenheit adressiert. Heute schreiben wir an unser gegenwertiges Ich einen Brief aus der Zukunft! Dein Ich aus der Zukunft beschreibt dir in diesem Brief, wie sein/ihr Leben jetzt aussieht. Was ist das letzte Jahr über passiert? An welchem Punkt im Leben steht es jetzt? Wie geht es ihm/ihr? Ist es glücklich?
Ich hoffe, dass dir mit meinem sechs Schritte System ein bewusster und motivierter Start ins Jahr 2022 gelingt! Natürlich kannst du auch nur ein paar Schritte machen und dich von mir inspirieren lassen, deinen ganz eigenen Start für das Jahr 2022 zu finden! Ich freue mich, wenn du deine entstandenen Gestaltungen mit mir teilest (per Mail oder über Instagram). Solltest du noch Fragen haben oder Hilfestellungen benötigen, schreib gerne einen Kommentar oder nutze mein Kontaktformular. Wenn du magst, trag dich in meinen Newsletter ein, um meinen nächsten Beitrag nicht zu verpassen!
Bis dahin wünsche ich dir alles Liebe und viel Erfolg beim Gestalten der einzelnen Vorgehensweisen!
Ja es ist schon wieder soweit! Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu und obwohl ich den Eindruck habe, dass wir gerade erst das neue Jahr eingeleitet haben, ist dieses Jahr doch insgesamt viel passiert. Für viele ist der Jahreswechselt die Zeit, um sich neue Ziele zu setzen, um Gewohnheiten zu ändern und um sich damit zu beschäftigen, was nächstes Jahr alles besser werden soll. Viele sind motiviert und voller Elan, doch hält dies meist nur ein paar Tage, vielleicht Wochen, bis der Alltag die meisten von uns wieder eingeholt hat. Mir selbst sind meist, ohne groß nachzudenken drei Dinge eingefallen, die ich im nächsten Jahr anders machen möchte. Darunter waren – wie bei vielen wahrscheinlich auch – mehr Sport machen, gesünder ernähren und mehr lesen. Fertig. Das Problem ist, es wird sich nichts daran ändern, wenn ich nicht versuche zu verstehen, warum ich bisher so gehandelt habe, wie ich gehandelt habe. Deswegen möchte ich es dieses Jahr anders machen! Mithilfe von verschiedenen kunsttherapeutischen Methoden möchte ich einen Jahresrückblick machen, durch den ich mein Jahr 2021 tiefer reflektieren möchte und mich damit sowohl besser verstehen als auch akzeptieren lernen. Ich möchte mich mit mir selbst, meinen Entscheidungen und meinem Erlebten auseinandersetzen und den Jahreswechsel nutzen, um bewusst über mein Leben nachzudenken. Gehe ich in meinem Leben den Weg, den ich gehen möchte? Bin ich mit meiner momentanen Lebenssituation glücklich und zufrieden? Der Jahreswechsel besteht für mich dabei aus zwei Komponenten: Dem Jahresrückblick und dem Start in das neue Jahr. Letzterem werde ich nochmal einen eigenen Blogbeitrag widmen.
Ich habe den Jahresrückblick in insgesamt sechs Schritte unterteilt, um sowohl einen strukturierten Überblick zu bekommen, als auch tiefere Themen bearbeiten zu können. Ich finde es ganz passend diese Schritte zwischen Weihnachten und Silvester zu gehen aber wann du deinen Jahresrückblick starten möchtest ist dir natürlich selbst überlassen. Folge mir gerne auf Instagram (@lipoedem_im_kopf), um
Ich bin ehrlich, ich habe noch nie ernsthaft einen Jahresrückblick gemacht. Das ganze vergangene Jahr zu reflektieren kann einem schon Angst machen. Ein Jahr ist lang. In einem Jahr kann viel passieren. Und wenn wir unter dem Jahr kein Tagebuch geführt haben, dann haben wir wahrscheinlich das meiste davon zum heutigen Zeitpunkt schon wieder vergessen. So ging es mir auch. Allein der Gedanke daran, mich mit dem vergangenen Jahr zu beschäftigen hat in mir ein beklemmendes Gefühl ausgelöst, denn über meine Erinnerungen hatte sich ein nebliger Schleier gebildet, durch den ich nicht hindurchblicken konnte. Es war für mich nicht greifbar und das hinderte mich daran anzufangen. Dieses Jahr habe ich mir zum Ziel gesetzt ein System zu entwickeln diese Ohnmacht zu überwinden. Vor allem der erste der folgenden sechs Schritte soll dazu beitragen, denn ich weiß ganz genau, dass sie sich auflöst, sobald ich meine Erfahrungen greifbar gemacht habe.
Verschaffe dir einen Gesamtüberblick über das vergangene Jahr!
Gestalte ein Stimmungsbild!
Gestalte die schwierigste Situation aus dem Jahr 2021 sowie deine Ressourcen!
Lasse alle Dinge zurück, die du nicht ins nächste Jahr mitnehmen möchtest!
Packe einen Rucksack, mit allem, was du ins nächste Jahr mitnehmen möchtest!
Schreibe dir selbst einen Brief!
Warum Kunsttherapie?
Wie ich schon in einem meiner letzten Beiträge deutlich gemacht habe, hat die Kunsttherapie viele Potentiale und Chancen. Die wichtigsten Aspekte im Bezug auf den Jahresrückblick sind aus meiner Sicht folgende:
Ein großes Potential der Kunst ist es, dass schöpferische Potential der Menschen zu wecken. In der Kunsttherapie kann dies genutzt werden, um die eigenen Selbstheilungskräfte und Ressourcen zu aktivieren. Durch das künstlerische Tun kannst du die Erfahrung machen, deine eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen. Ein wichtiges Ziel des Jahresrückblicks ist es, dass du deine eigenen Bewältigungskräfte erkennst, sodass du im Idealfall eine Auswahl an Bewältigungskräften hast, mit denen du die nächste Krise aus eigener Kraft heraus bewältigen kannst.
Durch die Bildsprache hast du die Chance für Erkenntnis- und Reflexionsmöglichkeiten, insbesondere durch die wahrnehmbare Differenz zwischen Bild- Körper- und Wortsprache.
Auch der Ausdruck als Befreiung spielt bei den nachfolgenden Vorgehensweisen eine wichtige Rolle. In der Kunsttherapie geht es nicht darum, Kunst zu erschaffen, sondern einen Zugang zu seiner eigenen inneren Welt zu bekommen und sich mit sich selbst und seinem Inneren auseinanderzusetzen. Dieser Prozess wird vor allem durch die Kraft der Fantasie hervorgerufen, die in vielen kunsttherapeutischen Methoden angeregt wird.
Zudem findet in der Kunsttherapie häufig eine Sensibilisierung, Vertiefung und Verfeinerung der eigenen Wahrnehmung statt, denn die Darstellung der eigenen Gefühlswelt durch das künstlerische Medium nach außen hat häufig den Effekt, vorher unterbewusstes und damit Unbekanntes über sich selbst sichtbar zu machen. Ziel der Kunsttherapie ist es daher, durch Techniken und Methoden innere Bilder zu erzeugen, welche dann durch künstlerische Medien nach außen getragen und so verstanden werden.
Wenn du alle Infos rund um die Kunsttherapie nochmal genauer nachlesen möchtest – wie sie entstanden ist, was ihre Wirkweisen sind und vieles mehr – dann empfehle ich dir in diesem Beitrag vorbei zu schauen. Wichtig ist mir nur noch kurz zu sagen, dass es in der Kunsttherapie nicht darum geht, ästhetisch schöne Endergebnisse zu erzielen. Vielmehr dienen die nachfolgenden Methoden der Reflektion des eignen Verhaltens und des eigenen Lebens. Achte bei der Durchführung der Methoden daher vor allem auch bewusst auf den Prozess und dein Empfinden während dem Gestalten. Nun aber zu den einzelnen Schritten:
Mein 6- Schritte-System
1. Verschaffe dir einen Gesamtüberblick über das vergangene Jahr!
Der erste Schritt ist keine kunsttherapeutische Methode, sondern soll, wie schon kurz angesprochen, dazu dienen, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen und den nebligen Schleier, der häufig über unseren Erinnerungen liegt, auflösen. Dazu habe ich zwei Vorlagen vorbereitet, die du dir hier herunterladen kannst. Die Unterteilung der Erinnerungen in einzelne Themengebiete, zu denen ich gezielte Fragen vorbereitet habe, sollen dir helfen, dich Stück für Stück zu erinnern. Zudem kannst du in der Monatsübersicht Monat für Monat durchgehen und wichtige Daten und Ereignisse notieren. Nachdem du beide Tabellen ausgefüllt hast, fühlt sich deine Erinnerung hoffentlich wieder klarer an.
Download- Materialien
2. Gestalte ein Stimmungsbild
Der zweite besteht aus zwei beziehungsweise drei Komponenten. Bevor du allerdings mit der Methode beginnen kannst, ist noch ein etwas Vorarbeit notwendig. Ordne jedem Gefühl eine Farbe zu (am besten du schreibst dir die folgenden Gefühle auf und markierst sie farbig).
freudig neugierig begeistert
traurig wütend angeekelt
gelangweilt überrascht ängstlich
ausgelassen besorgt aufgeregt
erleichtert zufrieden nostalgisch
Wenn du jedem Gefühl eine Farbe zugeordnet hast, geht’s nun weiter mit der eigentlichen Methode:
(a) Gestalte ein Stimmungsbild aus deiner Erinnerung:
Wenn du an das Jahr 2021 zurückdenkst, wie war deine allgemeine Stimmung? War das Jahr eher gut oder schlecht, warst du eher traurig oder fröhlich, hattest du Spaß oder warst du viel allein? Welche Gefühle waren im Jahr 2021 am prägnantesten? Gestalte ein abstraktes Bild mit den Farben, die du diesen Gefühlen zugeordnet hast. Die Papiergröße und die Wahl der Materialien kannst du frei wählen. Wichtig: Lese noch nicht die nächsten Schritte (b) und (c)!
(b) Markiere die einzelnen Aspekte aus Schritt eins nach Farben:
Um nun dein Stimmungsbild des vergangenen Jahres mit der Realität abzugleichen, nimm dir bitte nochmals die Blätter aus dem ersten Schritt zur Hand und ordne sie nach den einzelnen Gefühlen, indem du sie mit den entsprechenden Farben markierst. So kannst du am Ende gut einschätzen, ob du im vergangenen Jahr z.B. wirklich so viel traurig, besorgt und ängstlich warst, oder ob deine Erinnerung dich täuscht. Welche Farben kommen am häufigsten vor? Welche vielleicht gar nicht? Wichtig: Lese noch nicht den nächsten Schritt (c)!
(c) Gestalte ein reales Stimmungsbild:
Stimmen die Farben aus deiner Gestaltung (a) mit denen deiner Markierungen (b) überein? Stechen dir beim Betrachten dieselben Farben ins Auge? Solltest du durch das Markieren der einzelnen Aspekte eine Diskrepanz zwischen deiner Erinnerung und der Realität festgestellt haben, dann nimm dir jetzt nochmal die Zeit und gestalte ein Stimmungsbild, bei dem du dich bei der Auswahl der Farben, an denen aus deinen Markierungen orientierst. Lege zum Schluss beide Gestaltungen nebeneinander. Wie fühlst du dich? Was konntest du aus der Übung mitnehmen?
3. Gestalte die schwierigste Situation aus dem Jahr 2021 sowie deine Ressourcen!
Kunsttherapeutischer Jahresrückblick
Häufig heißt es, man solle sich nur auf das positive aus dem letzten Jahr konzentrieren aber meiner Meinung nach können auch die negativen Dinge viele Chancen mit sich bringen, denn aus ihnen können wir lernen, Erfahrungen sammeln, uns weiterentwickeln und wir können merken, was in uns steckt. Aus diesem Grund möchte ich dich heute dazu einladen, dir zu überlegen, was die für dich schwierigste Situation im Jahr 2021 war. Es muss nicht ein einzelnes Ereignis sein, sondern kann auch eine Reihe an Ereignissen, ein Gefühl oder ein Zeitraum sein. Setz dich dafür an einen Ort, an dem du dich sicher und wohlfühlst. Für deine Gestaltung benötigst du am besten ein DINA 4 oder 5 Papier und ein DINA 3 Papier sowie Farben, die dir guttun und die du gerne benutzt. Gestalte nun auf dem DINA 4 oder 5 Papier die Situation oder den Zeitraum, der für dich im Jahr 2021 am schwierigsten war. Eine Situation oder Gefühl, das dich überwältigt hat, dich viel Kraft gekostet hat, dir Kummer bereitet hat oder dich Verletzt hat. Lass dir dafür Zeit aber versuche, dich nicht in den negativen Gefühlen, die mit dieser Situation oder diesem Zeitraum verbunden sind zu verlieren. Mache dir bewusst, was diese Situation bei dir ausgelöst hat und welche Wunden sie hinterlassen hat, bevor wir im nächsten Schritt darauf schauen möchten, welche Stärken sie in dir hervorgerufen haben. Nimm dir dazu das DINA 3 Papier und klebe dein DINA4/5 Papier in seine Mitte. Anschließend gestalte den Rahmen deiner Gestaltung. Was gibt dir Sicherheit? Was gibt dir Halt? Welche Personen unterstützen dich? Welche Eigenschaften hast du, die dich stärken und dir Kraft geben? Du hast es aus der Situation herausgeschafft, die du zum Anfang dieser Übung gestaltet hast. Du bist stark! Erkenne deine eigenen Ressourcen und gestalte sie auf das DINA 3 Papier als äußeren Rahmen. Wenn du mit der Gestaltung fertig bist, betrachte sie nochmal im Gesamten. Welche Gefühle löst sie in dir aus? Was konntest du aus der Übung mitnehmen?
4. Lasse alle Dinge zurück, die du nicht ins nächste Jahr mitnehmen möchtest!
Überlege dir, welche Dinge du aus dem vergangenen Jahr nicht mit ins nächste Jahr mitnehmen möchtest. Das können Personen, Dinge, Gefühle, oder auch Verhaltensweisen, etc. sein. Deine Listen aus dem ersten Schritt können dir auch hier wieder als Orientierungshilfe dienen. Gestalte diese Dinge auf einem Papier mit den Materialien deiner Wahl. Falte dieses Papier anschließend so klein wie du kannst und verbrenne es in der Natur.
5. Packe einen Rucksack, mit allem, was du ins nächste Jahr mitnehmen möchtest!
Nachdem du dir im letzten Schritt überlegt hast, was du nicht mit ins nächste Jahr nehmen möchtest, geht es nun im das genaue Gegenteil. Welche Dinge, Personen, Verhaltensweisen, Gefühle, etc. möchtest du ins nächste Jahr mitnehmen? Was hat dir dieses Jahr gutgetan? Gestalte diese Dinge und hänge dir dein Bild anschließend ein paar Tage oder Wochen in deiner Wohnung/deinem Zimmer auf, um sie nicht zu vergessen.
6. Schreibe dir selbst einen Brief!
Schreibe dir zum Abschluss des Jahresrückblicks selbst einen Brief. Aber nicht an dein selbst heute, sondern an dein selbst vor einem Jahr. Schreibe auf, was dieses Jahr Wichtiges für dich passiert ist, mache dir Mut, lobe dich für die Dinge, die du geschafft hast oder die Krisen, die du überwunden hast und tröste dich, für den Schmerz, den du erlebt hast. Worauf bist du stolz? Was hast du alles erlebt? Was war das beste und was das schlimmste im vergangen Jahr und welchen Anteil hattest du daran? Wie hat sich dein Leben in den letzten zwölf Monaten verändert? Aus welchen Fehlern kannst du lernen?
Ich hoffe, dass dir mit meinem sechs Schritte System ein strukturierter und reflektierter Jahresrückblick gelingt! Natürlich kannst du auch nur ein paar Schritte machen und dich von mir inspirieren lassen, deinen ganz eigenen Abschluss für das Jahr 2021 zu finden! Ich freue mich, wenn du deine entstandenen Gestaltungen mit mir teilest (per Mail oder über Instagram). Solltest du noch Fragen haben oder Hilfestellungen benötigen, schreib gerne einen Kommentar oder nutze mein Kontaktformular. Du möchtest nach dem Jahresrückblick auch direkt mit den Neujahrsvorsätzen weiter machen? Dann kommst du hier zum Blogbeitrag mit dazu passenden und aufeinander aufbauenden kunsttherapeutischen Übungen.
Bis dahin wünsche ich dir jetzt schonmal einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg beim Gestalten der einzelnen Vorgehensweisen!
Deine Sarina
Du suchst Inspiration? In diesem Video reflektiere ich meine Neujahrsvorsätze
Hallo! Es freut mich, dass du dich für Kunsttherapie interessierst! Egal, ob du selbst mit dem Gedanken spielst, Kunsttherapie zu studieren oder du dich fragst, ob ein kunsttherapeutisches Coaching bei mir das Richtige für dich ist, in diesem Beitrag werden hoffentlich all deine Fragen geklärt. Ich habe versucht, dir einen Gesamtüberblick von der geschichtlichen Einordung, über ihre Entstehung und ihre Potentiale und bis hin zu ihren Einsatzfeldern zu geben. Falls du Fragen oder Ergänzungen hast, schreib sie gerne in die Kommentare und ich werde so bald wie möglich versuchen darauf einzugehen.
Fangen wir am besten ganz von vorne an. Die Kunsttherapie zählt zu den künstlerischen Therapieformen und verbindet die Kunst und die Psychologie. Das heißt, in der Kunsttherapie wird die therapeutische Beziehung, also die Beziehung zwischen Therapeuten und Klient, um ein Drittes- nämlich das künstlerische Medium- erweitert. Außerdem ist die Kunsttherapie, neben der Vernetzung aus Kunst und Psychotherapie, noch aus der Vernetzung von Kunst und der Pädagogik. Insgesamt ist in der Kunsttherapie also eine Kombination der Potentiale aus der Kunst und den beiden anderen Disziplinen- der Psychotherapie und der Pädagogik- möglich. Auf die möglichen Potentiale gehe ich später nochmal genauer ein.
Wie aber ist das ganze jetzt geschichtlich einzuordnen? Im 19 Jhd. entwickelte sich erstmals ein erwachendes Interesse für ästhetisches, meist bildnerisches Gestalten von Kranken in der europäischen Medizin. Allerdings vorerst nicht unter dem Aspekt des Heilens, sondern vielmehr unter dem Aspekt des Krankseins und der damit einhergehenden Psychopathologie des Ausdrucks. 1914 stellte Mohr dazu Überlegungen zur diagnostischen Verwertbarkeit der künstlerischen Gestaltungen von Kranken an. Als Künstler erstmalig ernst genommen wurde der an Schizophrenie leidende Adolf Wölfli, der von 1864-1930 lebte. Allerdings wurde er erst lange nach seinem Tod dem breiten Publikum bekannt. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der Art brût- oder auch Outsider Art genannt. Um jetzt von Wölfli wieder die Brücke zur Kunsttherapie zu bilden. 1922 entstand die sogenannte Prinzhornsammlung -eine Arbeit über die „Bildnerei von Geisteskranken“. Diese stellt den Basiswert zur Erforschung der Kunst von Geisteskrankheiten sowie einen zentralen Beitrag zu einem vertiefenden psychopathologischen Verständnis des subjektiven Welterlebens in psychotischen Erkrankungen dar. Die Aufmerksamkeit ist hier erstmalig nicht wie am Anfang beschrieben auf dem Aspekt des Krankseins, sondern auf den stabilisierenden Wirkungen auf das Seelenleben, die von der kreativen Auseinandersetzung mit psychotischem Erleben ausgehen.
Heute findet die Kunsttherapie in vielen Bereichen Anwendung. Ergänzend zu dem „klassischen“ Anwendungsfeld der Psychiatrie wird mittlerweile in vielen Krankenhäusern und Rehakliniken Kunsttherapie angeboten. Außerdem arbeiten Kunsttherapeut*innen neben Arbeitsfeldern im klinischen Kontext auch im pädagogischen Kontext beispielsweise in Kindergärten und Schulen, aber auch in Seniorenheimen und in der Jugendhilfe. Je nach Bereich liegt der Fokus eher auf der Prävention oder auf einer bestimmten Problemstellung die gemeinsam bearbeitet wird. Ein großer Teil der präventiven Arbeit macht der Bereich des Coachings- also der Beratung zur persönlichen Weiterentwicklung- aus. Du siehst also- Kunsttherapie ist nicht gleich Kunsttherapie und was noch wichtiger ist: Kunsttherapie heißt nicht unbedingt Therapie. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Berufsbezeichnung „Kunsttherapeut*in“ leider nicht um einen geschützten Beruf. Im Prinzip kann sich daher jeder „Kunsttherapeut*in“ nennen, der oder die zum Beispiel nur ein Wochenendseminar über Kunsttherapie belegt hat. Dies ist mitunter wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb man als Kunsttherapeut*in ohne zusätzlichen Heilpraktiker nicht berechtigt ist, selbstständig heilend tätig zu sein. Denn die individuellen Qualitäten und Kompetenzen unterscheiden sich ganz klar stark je nach absolvierter Aus- oder Weiterbildung und sollten bei der Wahl eines Therapeuten immer miteinbezogen werden.
Nachdem du jetzt einiges über die Entstehung der Kunsttherapie weißt, ist noch wichtig zu erwähnen, dass es nicht die EINE Kunsttherapie gibt. Wie auch in der Psychotherapie gibt es hier verschiedene Ansätze, die in der Konsequenz auch wieder andere Methoden anwenden. Insgesamt gibt es vier verschiedene Ansätze: der kunstpädagogische Ansatz, der verhaltenstherapeutische Ansatz, der anthroposophische Ansatz und der tiefenpsychologische beziehungsweise psychotherapeutische Ansatz. An dieser Stelle möchte ich gar nicht weiter auf die verschiedenen Ansätze eingehen, denn hier auf diesem Blog werden sich alle weiteren kunsttherapeutischen Inhalte nur auf den tiefenpsychologischen Ansatz, den ich in meinem Studium gelernt habe, beziehen. Dieser Ansatz geht auf den Begründer Sigmund Freud zurück und wurde später durch Carl Gustav Jung weiterentwickelt. Der Fokus liegt dabei darauf, die Psychologie des Unbewussten zu erklären und zu verstehen -also jene Inhalte und Prozesse der Psyche, die vom Bewusstsein abgesperrt und nicht ohne weiteres zugänglich sind. Durch die Kunsttherapie soll nun der Zugang zum Unbewussten ermöglicht werden. Damit kommen wir auch direkt zu den Wirkweisen der Kunsttherapie.
Alle kunsttherapeutischen Ansätze verfolgen die theoretische Prämisse, dass das Gestalten von Bildern und Arbeiten mit verschiedenen künstlerischen Medien eine heilende Wirkung auf den Menschen haben kann. Die Kunsttherapie greift dann, wenn die Balance zwischen Gesundheit und Krankheit nicht mehr gegeben ist. Schauen wir uns dazu das Prinzip der Balamce zwischen der Salutogenese und der Pathogenese -also der Gesundheit und Krankheit- nach Renate Limberg an.
Nach Limbergs Prinzip steht auf der linken Seite der Waage das Risiko, die Belastung, die Krise und die Krankheit. Wohingegen auf der rechten Seite der Waage die Bewältigungskraft, die Ressourcen und die sogenannte persönliche Schatzkiste stehen. Nach diesem Prinzip wird Gesundheit als Balance zwischen den eigenen Risiko- und Schutzfaktoren definiert. Es geht also nicht darum, alle Belastungen loszuwerden, sondern als Ausgleich eine eigene Bewältigungskraft und Ressourcen aufzubauen. Eine Handlungsnotwendigkeit besteht dann, wenn die Balance nicht mehr gegeben ist, also wenn Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen nicht mehr mit den gewohnten Bewältigungsmechanismen oder Ressourcen bearbeitet werden können und dadurch zu Krisen und Krankheiten führen.
Nun möchte ich noch die Potentiale und Chancen der Kunsttherapie mit dir teilen. Das soll dir später auch helfen, wenn du dich für ein Coaching bei mir entscheidest, deine eigenen Ziele besser einordnen zu können. Die Besonderheit an der Kunsttherapie ist natürlich die Verbindung und Verwendung der Kunst. Im Folgenden gehe ich daher auf spezielle Potentiale der Kunsttherapie ein, die sich durch den Aspekt des künstlerischen Tuns ergeben. Auf generelle Potentiale- also beispielsweise durch den Input einer außenstehenden Person- wie sie auch in der klassischen Psychotherapie gegeben sind, werde ich hier nicht weiter eingehen.
Ein großes Potential der Kunst ist es, dass schöpferische Potential der Menschen zu wecken. In der Kunsttherapie kann dies genutzt werden, um die eigenen Selbstheilungskräfte und Ressourcen zu aktivieren. Durch das künstlerische Tun kannst du die Erfahrung machen, deine eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen. Wenn du dich jetzt nochmal an das Bild der Waage erinnerst, dann merkst du, wir sind hier schon auf der rechten Seite. Ein wichtiges Ziel in der Kunsttherapie und auch in einem Coaching mit mir wird es also sein, dass du deine eigenen Bewältigungskräfte erkennst, förderst und dadurch immer weiter festigst und stärkst. Also, dass du im Idealfall am Ende eine Auswahl an Bewältigungskräften hast, mit denen du eine Krise aus eigener Kraft heraus bewältigen kannst.
Ein weiteres Potential der Kunsttherapie ist es, dass du durch das Dritte Medium eine „Sprache“ dazugewinnst, die sogenannte Bildsprache. Diese kann im Prozess immer wieder als Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeit genutzt werden. Deine Bilder und andere Werke dienen dann auf nonverbaler Ebene -im Gegensatz zur verbalen Sprache- als Mitteilungen, Botschaften, Appelle oder Ähnliches. Durch die Bildsprache hast du zudem die Chance für Erkenntnis- und Reflektionsmöglichkeiten, insbesondere durch die wahrnehmbare Differenz zwischen Bild- Körper- und Wortsprache.
Als drittes Potential der Kunsttherapie ist hier der Ausdruck als Befreiung zu nennen. Viele künstlerischen Materialien ermöglichen bspw. einen expressiven Ausdruck, also zum Beispiel durch das Werfen von reinen Tonklumpen oder -das wirst du wahrscheinlich kennen- die Methode des Actionpaintings. Hast du eines davon schonmal ausprobiert? Wenn ja, dann hast du hoffentlich die befreiende Wirkung selbst erfahren können. Außerdem bietet die Kunsttherapie völlig freie Darstellungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Es gibt in der Kunsttherapie kein richtig und kein falsch, kein schön oder hässlich. Die Kunsttherapie ist völlig frei von Bewertungen, es gibt keinen Leistungsdruck und keine Konkurrenz. Es geht nicht darum, Kunst zu erschaffen, sondern einen Zugang zu seiner eigenen inneren Welt zu bekommen und sich mit sich selbst und seinem Inneren auseinanderzusetzen. Auch dieser Aspekt der Kunsttherapie hat also eine sehr befreiende Wirkung.
Machen wir gleich weiter mit dem Thema der eigenen inneren Welt. Und zwar bietet die Kunsttherapie auch die Möglichkeit -vor allem im tiefenpsychologischen Ansatz- einen Zugang zu seinem Unbewussten zu finden. Dieser Prozess wird vor allem durch die Kraft der Fantasie hervorgerufen, die in vielen kunsttherapeutischen Methoden -wie zum Beispiel Fantasiereisen- angeregt wird. Auch davon werden wir im Coaching Gebrauch machen!
Zudem findet in der Kunsttherapie häufig eine Sensibilisierung, Vertiefung und Verfeinerung der eigenen Wahrnehmung statt, denn die Darstellung der eigenen Gefühlswelt durch das künstlerische Medium nach außen hat häufig den Effekt, vorher unterbewusstes und damit Unbekanntes über sich selbst sichtbar zu machen. Ziel der Kunsttherapie ist es daher, durch Techniken und Methoden innere Bilder zu erzeugen, welche dann durch künstlerische Medien nach außen getragen und so verstanden werden.
So damit hast du jetzt ganz schön viel über die Kunsttherapie gelernt und weißt ein bisschen besser, was dich in einem kunsttherapeutischen Coaching erwarten kann. Ich freue mich, wenn ich dein Interesse geweckt habe und dich in einem kostenlosen Erstgespräch kennenlernen kann!
In einem der nächsten Beiträge geht es dann um die künstlerischen Medien, von denen jetzt so viel die Rede war.